Roman Noir / Film Noir

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15. April 2013 von ibohnet

Ilja Bohnet im Interview mit Dr. Nikola Rührmann, Gründerin und Vorsitzende der Stiftung zur Rettung der Welt – eine Stiftung zur Förderung des literarischen Schreibens.

Nikola Rührmann: Lieber Ilja Bohnet, was wissen Sie über den Roman Noir?

Ilja Bohnet: Nicht viel. Oder vielleicht sollte ich lieber sagen: viel zu wenig.

Nikola Rührmann: Dann stelle ich die Frage anders: Was ist das wenige, was Sie über den „Roman Noir“ wissen?“

Ilja Bohnet: Sie sind unerbittlich, Frau Rührmann.

Nikola Rührmann: Dafür bin ich bekannt. Aber kommen Sie zum Punkt: Geben Sie Ihr bescheidenes Wissen preis.

Ilja Bohnet: Jean-Patrick Manchette, ein in den 1990ern verstorbener französischer Kriminalautor hat mal gesagt: „Ein guter ‚Roman noir‘ ist ein Sozialroman, ein sozialkritischer Roman, der die Geschichte eines Verbrechens als vordergründige Handlung nimmt.“

Nikola Rührmann: Sind Sie derselben Ansicht?

Ilja Bohnet: Durchaus. Natürlich ist das eine sehr verkürzte Darstellung. Der „Roman Noir“ hat seine Ursprünge in den „Hard boiled“-Storys von Dashiell Hammett und Raymond Chandler. Die wiederum beeinflussten – neben zahlreichen anderen Kriminalautoren wie David Goodis – den „Film Noir“. In den beiden Kunstgattungen drückt sich ein ähnliches Lebensgefühl aus.

Nikola Rührmann: Nämlich?

Ilja Bohnet: Ein pessimistischer Blick auf die Welt. Viele Geschichten des „Roman Noir“ sind aus der Erzählperspektive eines tragischen Helden geschrieben, meist in der lakonischen, schnoddrigen Sprache der „Ich“-Erzählung. Der „Film Noir“ unterstreicht die düstere Atmosphäre durch expressive Schwarz-Weiß-Bilder. Schatten. Kontraste. Hell. Dunkel. Schwarz. Weiß.

Nikola Rührmann: Können Sie uns ein paar Beispiele nennen?

Ilja Bohnet: Ihr Pluralis Majestatis irritiert mich, Frau Doktor Rührmann.

Nikola Rührmann: Zurück zur Frage!

Ilja Bohnet: Gut, gut. Ich beschäftige mich gerade etwas theoretischer mit dem „Film Noir“. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich den originären „Film Noir“, der Anfang der 1940er bis zum Ende der 1950er in den USA entstanden ist, eigentlich noch gar nicht wirklich kenne. Schlimmer noch, obwohl ich immer vom „Film Noir“ schwadroniert habe, muss ich nun feststellen, dass ich mit der Urform des Genres unmittelbar gar nichts anzufangen weiß. Filme wie „Rattennest“ oder „Goldenes Gift“ sind Klassiker des Genres, waren mir aber nicht geläufig; und bei erster Betrachtung muss ich zugeben, dass ich eine sanfte Einführung brauche, um diese „Original Movies“ zu verstehen, in sie reinzukommen. Aber ich will hier nicht meine Unbildung zur Schau stellen, ich will auf etwas anderes hinaus: Denn sowenig ich mit der Urform des Genres (also dem US-amerikanischen „Film Noir“) verwurzelt bin, so stark bin ich doch von der Kunst (sprich den Filmen), die daraus hervorgegangen sind, beeinflusst. Doch, doch. Denn ich darf sagen, dass mein bescheidenes Schreiben, mein ­- wenn ich so sagen darf – dramaturgischer Blick auf die Welt sehr stark von der „Nouvelle Vague“ beeinflusst ist – und das, obwohl diese Filmbewegung schon damals, als ich sie in den 1980ern für mich entdeckte, alles andere als taufrisch gewesen ist.

Nikola Rührmann: Kann man wohl sagen, in den 1980ern war die  „Nouvelle Vague“ schon 25 Jahre alt.

Ilja Bohnet: Ich halte aber die Filme wie „Außer Atem“ und „Schießen Sie auf den Pianisten“ nachwievor für modern und …

Nikola Rührmann: Vielleicht ist das Ihr Problem.

Ilja Bohnet: … wie bitte? Na ja, wie ich jetzt jedenfalls zu lernen glaube, hat die „Nouvelle Vague“ sehr selbstironisch und humorvoll die klassische „Schwarze Serie“ des us-amerikanischen Originals weiterentwickelt. Um es kurz zu machen, das Original ist vielleicht aus heutiger Sicht etwas dröge, die postmoderne Überarbeitung hingegen humorvoll und intelligent.

Nikola Rührmann: Gibt es eine „Nouvelle-Nouvelle Vague“?

Ilja Bohnet: Klar, davon bin ich überzeugt. Vielleicht in Verbindung mit neuen Techniken oder neuen Medien. Was das bloße Geschichten erzählen anbetrifft ist es schwierig. Alles in Film und Fernsehen (und in der Literatur?) ist bereits dagewesen: Das, was wir sehen (und lesen) bereits über- und verarbeitet, inzwischen zigmal verwurstet, post-post-postmodern wiederverwertet und aufgearbeitet.  Das, was damals „Avantgarde“ war, heute ein alter Hut.

Nikola Rührmann: Aber das ist doch ein eine Frage, die sich nicht nur auf das Kriminalgenre bezieht, sondern auf die darstellende und bildende Kunst allgemein, oder?

Ilja Bohnet: Richtig. Aber um es mit Dashiell Hammett zu sagen: Zur weiteren Beantwortung dieser Frage bin ich nicht betrunken genug …

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