10 Fragen zum Tatmotiv – heute an Andreas Eschbach

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2. September 2022 von ibohnet

Eine Gesprächsreihe mit Schriftstellern, Künstlern, Wissenschaftlern rund um das persönliche Motiv ihres kulturellen Schaffens. Heute mit dem Autor Andreas Eschbach.

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Im Mittelpunkt des vorliegenden Blog-Beitrags steht der bekannte SciFi-Autor Andreas Eschbach. Spätestens mit dem Roman Das Jesus Video ist er zu einer festen Größe in der deutschen Autorenlandschaft geworden. Sein Portfolio reicht von Kurzgeschichten der Phantastik über Romane des Science Fiction bis zu Beiträgen in der legendären Perry Rhodan-Reihe. Viele seiner Werke wurden übersetzt und in anderen Ländern verlegt. Andreas Eschbachs Werk zeigt keine Berührungsängste mit anderen Genres, und auch Eschbach als Person hat sich trotz seines großen Erfolgs und der Popularität eine erstaunliche und sympathische Nahbarkeit gegenüber Publikum und Autorenkollegen erhalten. Seine Aktivitäten in der schriftstellerischen Nachwuchsförderung kommen somit nicht von ungefähr – Eschbachs Tipps zur Manuskripterstellung auf seiner persönlichen Website sind zum Beispiel absolut lesenswert; mir haben sie seinerzeit bei der Vorlage meines ersten Manuskripts sehr weitergeholfen. Kurz: Eschbach – ein sympathisches Vorbild für einen auch kommerziell sehr erfolgreichen Schriftsteller.

Der Perry Rhodan unter den Autoren

1. Lieber Herr Eschbach, beruflich orientierten Sie sich zunächst in Richtung Luft- und Raumfahrttechnik, gearbeitet haben Sie dann zunächst als Softwareentwickler und IT-Unternehmer. Diese ingenieurstechnische Entwicklung hätte bestimmt weiterlaufen können. Wie und weshalb haben Sie mit dem Schreiben angefangen?

Das war ziemlich genau umgekehrt: Ich habe zuerst mit dem Schreiben angefangen – »schon immer«, meint meine Mutter; ich selber erinnere mich an die schicksalhafte Begegnung mit der Technologie der Schreibmaschine im Alter von etwa 12 Jahren, die bewirkte, dass ich quasi meine Teeniezeit vor einem solchen Gerät verbracht habe, nicht viel anders als Jugendliche, die heute ständig vor dem Computer hocken, und es sind noch eine Menge eng beschriebener Seiten aus dieser Zeit erhalten, allerdings sorgsam versteckt. Irgendwann machte man sich in meiner Umgebung Sorgen und ermahnte mich, ich wisse aber schon, dass man vom Schreiben nicht leben könne? Also bemühte ich mich, einen Job zu finden, von dem man leben kann, und denkbar schlecht beraten von einem Studien- und Berufsberater an der Schule habe ich mich nach dem Abitur an der TU Stuttgart für Luft- und Raumfahrttechnik eingeschrieben in der irrigen Annahme, das sei das Fach, das noch am meisten mit Science Fiction zu tun habe. Ich war für dieses Gebiet ziemlich ungeeignet, fand aber den Ausweg, mich mit der Computerei zu beschäftigen, die mir deutlich mehr lag. Weil ich es aber zumindest mal versucht haben wollte, einen Roman zu veröffentlichen, schrieb ich einen, doch als sich nach der einundzwanzigsten Absage die Gelegenheit bot, zusammen mit einem Kompagnon eine eigene Firma zu gründen, dachte ich, na gut, es will wohl so sein. Doch kaum war die Firma gegründet, meldete sich der 22. Verlag – mit einer Zusage.

Der Rest ist, wie man so sagt, Geschichte.

2. Wann haben Sie gemerkt, dass Ihre Berufung im Schreiben besteht?

Hmm … so um meinen 60. Geburtstag herum, schätze ich. Als mir klar wurde, dass ich wohl für den Rest meines Lebens nichts anderes mehr tun, dass ich vor allem keinen anderen Job mehr anfangen werde.

3. Wie arbeiten Sie konzeptionell, und wie ganz konkret bei der Erarbeitung eines Manuskripts?

Da gibt nicht die eine Vorgehensweise, das hängt immer von der Art der Idee ab, von der Situation und wer weiß, von was noch. Manche Romane plane ich genau vor, schreibe erst Exposés, dann Szenenoutlines, dann den Text selber (trotzdem gerät der Roman oft am Ende ganz anders als geplant) – bei anderen habe ich einfach drauflos geschrieben und mich überraschen lassen, und die sind auch nicht schlechter geworden. Allgemein kann man höchstens sagen, dass ich versuche, ein Bild dieses Buches zu gewinnen, das es noch nicht gibt, aber es aber geben SOLLTE, und das, was ich schreibe, diesem Bild dann auf die mir am geeignetsten erscheinende Weise anzunähern.

4. Gibt es ein spezifisches, immer wiederkehrendes Thema in Ihren Werken?

Man selber ist bei so einer Frage natürlich befangen, aber als der deutsche Honorarkonsul in Montpellier bei einer Buchvorstellung während eines literarischen Salons dort einmal gesagt hat, mein stetiges Thema sei »l’avenir de l’humanité«, dachte ich, ja, genau, das ist es. Es gefällt mir auf Französisch besonders gut, weil man es sowohl als »die Zukunft der Menschheit« wie auch als »die Zukunft der Menschlichkeit/des Menschseins« übersetzen kann. Und um beides geht es irgendwie immer in meinen Geschichten.

5. Welche literarischen Vorbilder haben Sie?

Ich halte mich hier an den Rat von Marcel Reich-Ranicki, der sagte: »Ein Autor sollte nie verraten, wer seine Vorbilder sind, weil er sonst mit ihnen verglichen wird.«

6. Was macht für Sie gutes Schreiben aus?

Gutes Schreiben befeuert Ihre Phantasie auf eine Weise, die bewirkt, dass Sie hinweggenommen werden in eine erfundene Welt, in der Sie gemeinsam mit erfundenen Personen etwas erleben, das Ihnen hinterher wertvoll ist. Wenn Sie ein gutes Buch beenden, dann haben Sie nicht einfach nur Zeit verbracht, sondern nehmen etwas fürs Leben daraus mit.

7. Woran arbeiten Sie gerade?

Im Augenblick daran, mich zu entscheiden, welchen Roman ich als nächsten schreiben will. Das ist immer die schwierigste Phase des Jahres.

8. Welche Rolle spielt der Zeitgeist für Sie?

Ich hoffe, keine.

9. Was würden Sie sich für Ihr Schreiben wünschen?

Dass mir noch möglichst lange Geschichten gelingen, die andere Menschen als Bereicherung ihres Lebens empfinden.

10. Welche Frage würden Sie sich überdies gerne zum Abschluss selber stellen?

Ich stelle Fragen lieber in Form von Romanen.

Lieber Andreas Eschbach, vielen Dank für das schöne Gespräch!

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