Wissenschaftsgeschichte – Teil 4

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23. Mai 2019 von ibohnet

Vom Descartesschen Edikt des methodischen Zweifelns und der mathematischen Naturbeschreibung Newtons bis zur Veränderung des Selbst- und Weltbilds 

In dem 1637 von Rene Descartes anonym publizierten „Discours de la methode“ stellt der Autor die Abhandlungen über die Methoden ‘‘pour bien conduire ca raison“ zur Diskussion (den richtige Gebrauch des Verstandes). Hierin gründet sich die Kritik des Rene Descartes: Nämlich sich aus der Abhängigkeit überlieferter Autoritäten zu befreien. Und allein Vernunft und Erfahrung als die Grundlagen sicherer Erkenntnis zu nehmen.

Descartes ist nun jemand, der sehr stark auch in den Anschauungsraum wieder zurückgreift, der auch eine Art Modellvorstellung hat. Es geht darum, dass von seiner Seite aus ein Modell von Wissenschaft etabliert wird, das einem Prinzip gehorcht und das auch als Gegenmodell zum aristotelischen Modell verkauft werden kann. Ich habe also mit Descartes auch wieder ein komplettes Welterklärungsmodell. Seine methodische Herangehensweise enthält die mechanistische Naturauffassung, gleichzeitig fordert er das erlangte Wissen mit dem Unwissen zu verbinden: Der Zweifel führe den Menschen zu einem neuen Bewusstsein. (Olaf Breidbach)

Und dann betritt jemand Neues den Raum, der nachhaltig auf die Entwicklung der Naturbeobachtung als Naturwissenschaft wirken soll.

Eine ganz zentrale Figur in der Wissenschaftsgeschichte ist Newton, der eine relationistische Darstellung von Welt mitbringt, weggeht von diesem Anschauungsraum von Descartes, den Zahlen traut, aber auch in dem Sinn, das er ein relationales Verhältnis der Zahlen als Grundvorstellung für seine Physik ansetzt. Das bedeutet, dass er jetzt nicht ein Anschauungsmodell braucht, um sich bestimmte Kräfte zu veranschaulichen, oder kein bestimmtes Gegenmodell, bei dem die Kräfte von irgendwelchen Phänomenen begleitet werden, sondern dass er einfach Verhältnisse von Zahlen zur Grundlage des Postulats von Wirkphänomenen macht. Das ist etwas anderes, etwas neues, ein völlig anderer Erklärungsanspruch, als ihn etwa Aristoteles noch hatte. Da ging es darum zu fragen: Was ist eine Kraft? Also was Ist das eigentlich? Und bei Newton ist es nur: Wie ist das? Und genau dieses wie ist es auch, das aufscheint, wenn man sich das Verhältnis von Gegebenheiten anschaut. Und erst das bekommt dann das Attribut „Grundkraft“ oder „Kraft“. (Olaf Breidbach)

Die methodische Verbindung von empirischer Untersuchung und mathematischer Naturbeschreibung ermöglicht es ihm, die Erkenntnisse und Entdeckungen seiner großen Vorläufer wie Kepler, Galilei, Bacon und Descartes zu einer umfassenden Synthese zu vereinen und eine geschlossene mathematische Theorie der Welt zu schaffen. Diese bildet die folgenden zwei Jahrhunderte die unerschütterliche Grundlage des wissenschaftlichen Weltbildes. Newton soll seine entscheidende Erkenntnis beim Anblick eines vom Baum fallenden Apfels bekommen haben, dass dieser nämlich von derselben Kraft angezogen wird, die auch die Planeten in ihre Umlaufbahnen um die Sonne zwingt. Er leitete daraus ein allgemeines Gravitationsgesetz ab. Jeder Körper im Universum wird von einem anderen Körper durch eine Kraft angezogen. Die epochale Bedeutung dieses Gesetzes liegt in ihrer umfangreichen Anwendbarkeit; die Bewegung der Planeten, Monde und Kometen beschreibt es ebenso wie Ebbe und Flut oder mechanische Strömungs- und Spannungsvorgänge.

Die Veränderung des menschlichen Selbst- und Weltbildes findet ihren Niederschlag auch in der Kunst: in der Bedeutung der Natur, des menschlichen Körpers, der sichtbaren Wirklichkeit. Die künstlerischen Darstellungen verlieren ihren ausschließlich sakralen, religiösen Symbolcharakter. Sinn und Wert bestehen ebenso in der Wiedergabe der diesseitigen Welt. (Robert Kudielka)

Das Paradigma der Aufklärung zeigt sich ebenso in den humanistischen Idealen jener Zeit: Dem Menschen mit Hilfe der Vernunft zum Ausgang aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit zu verhelfen, Immanuel Kant. In den darauffolgenden Jahrhunderten setzt in Europa eine von Wissenschaft und Technik bestimmte industrielle Revolution ein, die zu einer nachhaltigen Umgestaltung der Umwelt und Gesellschaft führt.

(Basierend auf: Grenzen und Optionen der Naturwissenschaft, eine Hörspielproduktion des FSK von Ilja Bohnet & Bernhard Kaufmann mit den Gesprächspartnern Olaf Breidbach (Philosoph, Biologe und Kognitionsforscher), Robert Kudielka (Kunsthistoriker) und Albrecht Wagner (Physiker), Hamburg 1999)

Link zur Audio-Datei des Radiofeatures

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